Würde ich für Jesus Christus streiten?“, fragte Pfarrer Christoph Schwerhoff am Montag die Gottesdienstgemeinde in der Propsteikirche St. Georg. „Und wenn nein, was sagt das über meinen Glauben aus?“, erkundigte er sich weiter. Grund für die rhetorischen Fragen: Am 29. Juni feiert die katholische Kirche das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Die beiden Heiligen beschrieb Schwerhoff als sehr gegensätzlich, als Menschen, die zu ihrer Zeit wohl häufig miteinander über Themen gestritten haben, die ihnen wichtig waren. Den Gottesdienst feierten die Dienstgemeinschaften des Bischöflich Münsterschen Offizialates und der Pfarrei mit.
„Streit ist unangenehm, Streit ist aber auch eine Form von Lebendigkeit“, sagte der Priester. Man streite für Anliegen, die einem wichtig seien. In seiner Predigt ging der Geistliche auf die Bedeutung einer gesunden Streitkultur in persönlichen Beziehungen ein. Wer einander und die gemeinsame Sache wirklich schätze, müsse auch bereit sein, miteinander zu ringen. Als biblisches Vorbild nannte der Propst die Apostel Petrus und Paulus, die trotz leidenschaftlicher theologischer Auseinandersetzungen stets wussten, wofür sie stritten – für den Glauben als gemeinsames Fundament und für Jesus. Den Gedanken übertrug der Priester auch auf die Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien und dem Offizialat. Trotz unterschiedlicher Perspektiven einer Pfarrei und einer Behörde, die für alle Pfarreien zuständig sei, und dadurch unvermeidbarer Reibungspunkte verfolgten beide denselben Weg.
„Wir haben die gleiche Richtung, den gleichen Blick. Wir wollen für Jesus, wir wollen für das Reich Gottes arbeiten“, betonte er. Zum Abschluss der Predigt lenkte er den Blick weg vom dienstlichen Kontext. Er lud die Anwesenden dazu ein, auch das eigene Privatleben daraufhin zu prüfen. „Wie gehe ich mit Streiten um? Mit wem streite ich, und was ist die gemeinsame Sache?“, gab er den Gläubigen als Denkanstoß mit. (Text/Bild: Johannes Hörnemann/ Offizialat Vechta)