Im Kölner Dom singt der Kölner Domchor. Aber es gibt Ausnahmen: Am Samstag, 30. Mai, hat der Kirchenchor Maria Frieden Vechta dort eine Andacht gestaltet: das tägliche Mittagsgebet um 12 Uhr. Unter der Leitung von Chorleiter Boris Blömer haben 23 Sängerinnen und Sänger aus Vechta dieses Gebet musikalisch begleitet.
Das Besondere: Das Mittagsgebet, im Alltag in einer Seitenkapelle gehalten, wurde wegen Baumaßnahmen diesmal in die zentrale Vierung mitten im Dom verlegt, von allen Seiten sichtbar; der Chor Maria Frieden durfte das offizielle Podest benutzen, das sonst dem Domchor vorbehalten ist.
Der Kölner Dom, Ziel von Touristen aus aller Welt, war zu dieser Zeit von Hunderten Besuchern gefüllt. Viele blieben beim Gesang des Chores spontan stehen, setzten sich in die Bänke und folgten der Andacht. „Mit einem so großen Publikum hatten wir überhaupt nicht gerechnet“, sagte Chorleiter Boris Blömer anschließend. „Das war ein echtes Highlight und eine große Ehre für uns!"
Das Mittagsgebet wird seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine als Friedensgebet gestaltet. Dem trug der Chor mit dem eindringlichen Lied „Suche Frieden“ von Peter Menger Rechnung. Nach dem Schlusssegen und dem Abschluss des Gottesdienstes sang der Chor zum Abschluss des Marienmonats Mai noch ein Marienlied. Allerdings auf Plattdeutsch: „Maria, breit dien Mantel ut.“ In dieser Form sicher eine Premiere m Kölner Dom. Spontan brandete Beifall auf für die Sängerinnen und Sänger.
Der Auftritt im Kölner Dom geht auf eine Idee des Chorleiters zurück. Bei einem Verwandtenbesuch in Köln hatte er die Kathedrale besichtigt und sich spontan gefragt, ob und wie er mit seinem Chor dort vielleicht einmal singen könnte.
Bei den Vorbereitungen für eine Chorfahrt brachte er die Idee ins Spiel; nach Verhandlungen mit dem Dompfarramt erklärte man sich dort bereit, den Kirchenchor Maria Frieden das mittägliche Friedensgebet gestalten zu lassen. „Für mich war sofort klar, es ist etwas ganz Besonderes, in diesem historisch so bedeutsamen Gotteshaus aufzutreten“, sagt Blömer heute im Rückblick.
Pfarrer The Hai Nguyen hatte als Präses des Chores bei seinem Reisesegen betont, mit dem Gesang im Kölner Dom werde der Chor zu einem Botschafter der ganzen Gemeinde Mariä Himmelfahrt.
Der Kirchenchor Maria Frieden bettete diesen Auftritt in seine dreitägige Chorfahrt ein. Dabei besichtigten die Sängerinnen und Sänger am Vorabend bei einer Führung den Dom und ließen sich über seine Bedeutung als Wallfahrtskirche zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige informieren. Zudem erkundeten sie bei einer Altstadtführung die Geschichte des römischen und mittelalterlichen Köln. Am Sonntag folgte schließlich der Besuch des Hochamts im Dom – wo dann die Kollegen des Vechtaer Chor sangen: der hundertköpfige Kölner Domchor. (Text: Franz-Josef Scheeben/Foto: Katharina Scheeben)

